RatgeberDörren

Tomaten trocknen & dörren: bei 60-70 °C zum Wintervorrat

Theo Brandt · Dörren & Vorrat
Akt. 6. August 2026 · 9 Min Lesezeit
Getrocknete Tomatenhälften auf einem Dörrgitter neben einem gefüllten Vorratsglas
Bild: erntedankt.de (KI-generiert)

Im August kommt bei mir jedes Jahr der Punkt, an dem mehr Tomaten in der Küche stehen, als wir essen können. Tomaten trocknen ist dann mein Weg: wenig Arbeit, kein Zucker, kein Essig, und das Aroma wird beim Trocknen nicht schwächer, sondern konzentrierter. Hier zeige ich dir, wie das Dörren von Tomaten im Dörrautomat und im Backofen funktioniert – mit den Temperaturen und Zeiten, die sich bei mir über die Jahre bewährt haben, und der Lagerung, die den Vorrat wirklich über den Winter bringt.

Dabei gibt es genau einen Handgriff, der am Ende über Wintervorrat oder Schimmelglas entscheidet – und es ist nicht die Temperatur. Weiter unten zeige ich ihn dir.

Die richtige Sorte: fleischig schlägt wässrig

Der halbe Erfolg liegt schon im Beet oder im Einkaufskorb. Zum Trocknen willst du fleischige, saftarme Sorten: San Marzano, Roma und andere Eiertomaten sind ideal. Dicke Wände, wenig Kerngehäuse, viel Fruchtfleisch – davon bleibt nach dem Trocknen etwas übrig.

Wässrige Salattomaten dagegen trocknen ewig und werden nichts Rechtes. Ich habe das einmal mit einem Schwung überreifer Salattomaten durchgezogen: nach 14 Stunden im Ofen hatte ich hauchdünne Chips mit Tomatengeschmack, aber keinen Vorrat. Seitdem gilt bei mir: Flaschentomaten aufs Gitter, Salattomaten in den Salat.

Tomaten vorbereiten in vier Schritten

Viel ist es nicht, aber die Reihenfolge zahlt sich aus:

  1. Waschen und halbieren
    Tomaten waschen und längs halbieren, sehr große Früchte vierteln. Je gleichmäßiger die Stücke, desto gleichmäßiger trocknen sie.
  2. Bei Bedarf entkernen
    Bei saftigen Früchten Kerne und Saft mit einem Löffel herausstreichen. Das spart mehrere Stunden Trockenzeit.
  3. Schnittfläche nach oben
    Die Hälften mit der Schnittfläche nach oben aufs Gitter legen, mit etwas Abstand, damit die Luft zirkulieren kann.
  4. Leicht salzen
    Eine Prise Salz auf die Schnittflächen streuen. Das zieht Wasser aus der Frucht und hebt das Aroma.
Halbierte Tomaten mit der Schnittfläche nach oben auf einem Dörrgitter
Schnittfläche nach oben, Abstand lassen – so trocknet jede Hälfte gleichmäßig · Illustration: erntedankt.de (KI-generiert)

Tomaten dörren: Dörrautomat oder Backofen, Temperatur und Zeit

Beide Wege führen zum Ziel, sie unterscheiden sich in Aufwand und Gleichmäßigkeit:

Methode Temperatur Dauer Für wen
Dörrautomat 60–70 °C ca. 8–12 Std. regelmäßige Mengen, gleichmäßigstes Ergebnis
Backofen 50–90 °C, Tür einen Spalt offen ca. 6–12 Std. Gelegenheits-Trockner ohne Extra-Gerät
Sonne Lufttrocknung mehrere Tage nur heißes, trockenes Klima – hier meist zu feucht

Mein Standardweg ist der Dörrautomat: Er hält die eingestellte Temperatur über viele Stunden ruhig und konstant, die Etagen schlucken zur Erntezeit ordentlich Menge, und er braucht weniger Strom als der Ofen, der nebenbei die halbe Küche heizt. Ich fahre meist 65 °C; wer nährstoffschonender arbeiten will, bleibt bei 50 °C oder darunter und plant dafür deutlich mehr Zeit ein. Ehrlich gesagt: Es ist ein zusätzliches Gerät, das Platz im Schrank braucht. Wer nur ein- bis zweimal im Jahr eine Handvoll Tomaten trocknet, kommt mit dem Backofen völlig aus. Welche Geräte sich wirklich lohnen, liest du in meinem Dörrautomat-Test – drei klare Empfehlungen vom Preis-Tipp bis zum Allrounder, dazu die Kaufkriterien, auf die es ankommt.

Im Backofen funktioniert es so: 50 bis 90 °C einstellen – je niedriger, desto schonender und länger – und die Ofentür mit einem Holzlöffel einen Spalt offen halten. Das ist kein Küchen-Aberglaube, sondern Physik: Die Feuchtigkeit aus den Tomaten muss raus. Bleibt die Tür zu, staut sich der Dampf, und die Tomaten garen, statt zu trocknen – derselbe Grund, aus dem man beim Brot den Dampf am Ende ablässt, nur andersherum.

Backofentür, die von einem eingeklemmten Holzlöffel einen Spalt offen gehalten wird
Der Holzlöffel-Trick: die Feuchtigkeit muss raus, sonst garen die Tomaten · Illustration: erntedankt.de (KI-generiert)

Die Sonne ist die romantischste Methode, aber verlässlich funktioniert sie nur in richtig heißem, trockenem Klima. Bei uns ist die Luft dafür meist zu feucht – ein feuchter Sommertag reicht, und du fütterst Schimmel statt Vorratsregal.

Der Daumen-Test: woran du „fertig" erkennst

Jetzt löse ich das Versprechen vom Anfang ein. Der Handgriff, der über deinen Vorrat entscheidet, ist der Trockengrad-Test – nicht die Temperatur, nicht die Uhrzeit auf dem Zettel. Jede Tomate ist anders dick, jeder Ofen heizt anders; die Stundenangaben sind Richtwerte, das Urteil fällt die Hand.

So geht er: Nimm eine Hälfte vom Gitter, lass sie kurz abkühlen und drück mit dem Daumen auf die Schnittfläche. Fertig ist die Tomate, wenn sie sich biegsam-ledrig anfühlt und kein feuchter Film mehr am Daumen bleibt.

Drei Tomatenhälften nebeneinander: frisch, halb getrocknet und fertig ledrig getrocknet
Frisch, halbtrocken, fertig ledrig – ganz rechts ist der Zustand, den du willst · Illustration: erntedankt.de (KI-generiert)

Bleibt die Fläche feucht, gehen die Tomaten zurück aufs Gitter – zu viel Restfeuchte ist der Hauptgrund für Schimmel im Lagerglas. Zu trocken erwischt ist dagegen kein Drama: Dann werden die Tomaten brüchig und bröseliger, für Suppen und Soßen taugen sie trotzdem.

Tomaten haltbar machen: trocken lagern oder in Öl?

Der unkomplizierte, sichere Standard ist die trockene Lagerung: vollständig durchgetrocknete Tomaten in ein luftdichtes Glas, dunkel und kühl in den Schrank – so halten sie grob 6 bis 12 Monate. Zwei Dinge gehören dazu: Lass die Tomaten vor dem Einfüllen komplett auskühlen, sonst schlägt sich Kondenswasser im Glas nieder. Und schau in den ersten Tagen noch einmal hinein; beschlägt das Glas von innen, war noch Restfeuchte drin – dann nachtrocknen.

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Und jetzt der Punkt, den viele Anleitungen unterschlagen: in Öl eingelegte Tomaten sind kein Vorrat für den Schrank. Sie schmecken großartig, keine Frage – aber das Bundesinstitut für Risikobewertung rät davon ab, Gemüse in Öl im Haushalt auf Vorrat herzustellen. Der Grund ist das Botulismus-Risiko: Unter der Ölschicht fehlt der Sauerstoff, und genau da können sich die gefährlichen Bakterien vermehren; die Bedingungen, unter denen das sicher wäre, bekommt man privat kaum hin. Deshalb meine klare Linie: Vorrat wird trocken gelagert. Öl ist Genuss für den Kühlschrank – klein ansetzen, kühl stellen, innerhalb weniger Tage aufessen. Wer dir „in Öl 12 Monate haltbar" verspricht, meint es vielleicht gut, hat aber die Rechnung ohne die Mikrobiologie gemacht.

Luftdichtes Vorratsglas mit trockenen Tomaten neben einem Glas in Öl eingelegter Tomaten
Links der Vorrat für den dunklen Schrank, rechts der Genuss für den Kühlschrank · Illustration: erntedankt.de (KI-generiert)

Die sechs Fehler, die dich die Ernte kosten

Alle sechs habe ich selbst gemacht oder in Nachbars Küche gesehen – und alle sind leicht zu vermeiden:

  1. Wässrige Salattomaten genommen. Trocknen ewig und liefern kaum Substanz. Fleischige Sorten wählen.
  2. Zu dick geschnitten. Außen ledrig, innen feucht – und die feuchte Mitte schimmelt später. Halbieren oder vierteln, gleichmäßig.
  3. Nicht vollständig durchgetrocknet. Der Daumen-Test ist Pflicht, nicht Kür.
  4. Backofentür ganz zugemacht. Der Dampf staut sich, die Tomaten garen. Holzlöffel in die Tür.
  5. Öl-Tomaten bei Zimmertemperatur auf Vorrat gestellt. Botulismus-Risiko – Öl-Ansätze gehören in den Kühlschrank und zügig auf den Teller.
  6. Warm ins Glas gefüllt. Kondenswasser bildet sich, und Feuchte im Glas heißt Schimmel. Immer komplett auskühlen lassen.
Vorratsglas mit getrockneten Tomaten, auf denen sich weißer Schimmelflaum gebildet hat
Zu feucht eingelagert: ein Rest Feuchte im Glas reicht für Schimmel · Illustration: erntedankt.de (KI-generiert)

Häufige Fragen zum Tomaten trocknen

Bei welcher Temperatur trocknet man Tomaten?
Im Dörrautomat haben sich 60 bis 70 °C bewährt, im Backofen funktionieren 50 bis 90 °C, wenn die Tür einen Spalt offen bleibt. Je niedriger die Temperatur, desto schonender für Aroma und Nährstoffe, desto länger dauert es aber auch.
Wie lange dauert das Trocknen von Tomaten?
Rechne im Dörrautomat mit etwa 8 bis 12 Stunden bei 60 bis 70 °C, im Backofen je nach Temperatur mit 6 bis 12 Stunden. Die Dauer hängt von Sorte, Stückdicke und Wassergehalt ab. Verlass dich deshalb nicht auf die Uhr, sondern auf den Daumen-Test.
Tomaten trocknen oder Tomaten dörren – ist das dasselbe?
Ja, gemeint ist derselbe Vorgang: Der Frucht wird mit warmer Luft das Wasser entzogen, bis sie lagerfähig ist. „Dörren" betont meist das Gerät, den Dörrautomat, „Trocknen" den Vorgang selbst – ob im Automat, im Backofen oder in der Sonne. Temperaturen und Zeiten sind identisch.
Welche Tomatensorten eignen sich zum Trocknen?
Fleischige, saftarme Sorten wie San Marzano, Roma und andere Eiertomaten. Sie haben viel Fruchtfleisch und wenig Kerngehäuse. Wässrige Salattomaten trocknen sehr lange und liefern am Ende kaum Substanz – die isst du besser frisch.
Woran erkenne ich, dass die Tomaten trocken genug sind?
Drück mit dem Daumen auf die Schnittfläche: Fertige Tomaten fühlen sich biegsam-ledrig an, und es bleibt kein feuchter Film am Finger. Bleibt die Fläche feucht, weitertrocknen – Restfeuchte ist der häufigste Grund für Schimmel bei der Lagerung.
Wie lange sind getrocknete Tomaten haltbar?
Vollständig durchgetrocknet, luftdicht verschlossen und dunkel gelagert halten sie grob 6 bis 12 Monate. Wichtig ist, dass sie vor dem Einfüllen komplett ausgekühlt sind. Beschlägt das Glas in den ersten Tagen von innen, unbedingt nachtrocknen.
Sind in Öl eingelegte Tomaten gefährlich?
Als Vorrat bei Zimmertemperatur ja: Das BfR rät wegen des Botulismus-Risikos davon ab, Gemüse in Öl im Haushalt auf Vorrat herzustellen. Kleine Mengen sind in Ordnung, wenn sie im Kühlschrank stehen und innerhalb weniger Tage verbraucht werden.

Wenn die letzten Tomaten vom Gitter sind, steht bei mir schon der nächste Kandidat bereit: Äpfel. Wie aus der Herbst-Schwemme biegsame Apfelringe werden, habe ich dir in der gleichen Ruhe aufgeschrieben – das Gitter bleibt also nicht lange leer.

Theo Brandt
Dörren & Vorrat · zuletzt akt. 6. August 2026
War Bäckermeister und dörrt seit Jahrzehnten alles, was der Garten zu viel hergibt – Apfelringe, Kräuter, Tomaten. Weiß, warum das eine Obst ledrig und das andere pulvertrocken wird, und empfiehlt nur Geräte, mit denen er selbst eine ganze Saison durch ist.
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