Im September steht bei vielen dasselbe im Flur: Kisten mit Äpfeln, mehr als irgendjemand essen kann, und daneben die Frage, ob sich dafür ein Gerät lohnt. Ich habe genug Herbste an der Streuobstwiese verbracht, um die häufigste Enttäuschung zu kennen. Sie sieht so aus: Presse gekauft, Äpfel gewaschen, Korb gefüllt, Druck drauf. Und dann tropft es nur.
Kurz eingeordnet, und zwar nach Bauart, Größe und Einsatzfall, nicht nach einer Rangliste: Die Hydropresse mit 20 Liter Korbinhalt ist mein Allrounder, weil der Druck aus der Wasserleitung kommt und ein Nachmittag im Hausgarten damit realistisch bleibt. Die Spindelpresse mit 12-Liter-Holzkorb ist der Preis-Tipp für alle, die ohne Wasseranschluss und ohne Strom anfangen wollen. Die 40-Liter-Hydropresse ist die Größe für eine echte Wiese oder eine Nachbarschaftsaktion. Warum jeweils, steht weiter unten, und dazwischen steht der ehrlichste Abschnitt dieses Beitrags: wann du besser gar nichts kaufst.
Dreißig Kilo Äpfel: lohnt sich dafür ein eigenes Gerät?
Bevor hier irgendein Gerät empfohlen wird, die Gegenfrage: Wie viel Obst hast du wirklich, und wie oft im Jahr?
Nach unten ist die Sache klar. Der NABU schreibt zur Lohnmosterei, dass die Anliefermenge meist bei mindestens einem Zentner liegt, also rund 50 Kilo. Unter dieser Menge ist beides falsch: Die Mosterei nimmt es dir meist nicht ab, und für eine Anschaffung ist es zu wenig. Dreißig Kilo Äpfel sind kein Fall für eine Presse, sondern für den Dampfentsafter oder die Küchenmaschine. Was davon zu dir passt, habe ich in Dampfentsafter oder Presse auseinandergenommen.
Nach oben rechne ich in Bäumen. Die NABU-Kostenkalkulation setzt im Mittel über die Lebensdauer eines Apfelbaums 3,17 Zentner an, also grob 160 Kilo, und rechnet mit 75 Litern Getränk je Doppelzentner im Bundesdurchschnitt. Ein einziger ausgewachsener Baum ist damit die Größenordnung von gut hundert Litern Saft. Zwei Bäume sind ein voller Tag zu zweit oder eine Fahrt zur Mosterei. Wer so eine Wiese hat, findet in Streuobstwiese nutzen den größeren Rahmen dazu.
So sieht der Tag aus, den du kaufst:
- SortierenKisten auf den Tisch, faules und braunfaules Obst raus. Das ist Arbeit, keine Formalie, und der Grund steht weiter unten im Abschnitt über Fallobst.
- WaschenIn der Wanne, mit klarem Wasser. Blätter, Erde und Gras wollen nicht in die Mühle.
- MahlenDurch die Obstmühle, bis eine feine, gleichmäßige Maische im Eimer liegt. Ohne diesen Schritt kannst du dir den nächsten sparen.
- FüllenPresssack in den Korb, Maische rein, Sack oben umschlagen.
- PressenDruck aufbauen und laufen lassen. Der Saft läuft in die Wanne, nicht in die Flasche.
- Entleeren und wieder füllenTrester raus, Korb neu füllen. Bei einer Baumernte machst du das mehrfach, nicht einmal.
- ReinigenSack ausspülen, Korb abbürsten, alles trocknen lassen. Der Teil entscheidet über das zweite Jahr.
Dazu kommt der Platz, und der wird regelmäßig unterschätzt: Presse, Mühle, Auffangwanne, Kisten mit Obst, ein Eimer für den Trester, ein Tisch zum Sortieren und ein Schlauch. Das passt auf keinen Balkon, und im Winter muss alles trocken irgendwo stehen.
Meine drei ehrlichen Empfehlungen, bevor die Geräte drankommen:
- Unter etwa einem Zentner Obst: kauf gar nichts. Dampfentsafter, Küchenmaschine, verschenken. Oder du kochst die Äpfel gleich ein, das ist in Äpfel einkochen beschrieben.
- Ein bis drei Bäume, einmal im Jahr, kein Wasseranschluss oder kein Platz: fahr zur Lohnmosterei. Das ist keine Niederlage, das ist die richtige Entscheidung.
- Regelmäßig, mehrere Bäume, Platz und Wasseranschluss vorhanden: eigenes Gerät. Ab hier lohnt sich der Rest dieses Beitrags.
Ohne Obstmühle presst du Luft
Hier die Auflösung von oben: Das zweite Gerät ist die Obstmühle, und ohne sie funktioniert keine Presse dieser Welt.
Der Ablauf ist zweistufig, nicht einstufig. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft beschreibt ihn genau so: Mühlen zerkleinern das Obst und verarbeiten es zur Maische, und erst danach wird gepresst. Der NABU sagt unabhängig davon dasselbe, nämlich dass bei größeren Mengen und härteren Früchten Mühle und Presse zusammengehören. Ein ganzer Apfel ist für eine Presse eine Kugel aus Zellwänden. Er gibt kaum etwas ab, egal mit wie viel Druck du ihm kommst. Erst die aufgeschlossene Maische lässt den Saft laufen.

Der Mahlgrad ist dabei kein Detail. Die Speidel-Betriebsanleitung verlangt eine Maische, die fein ist und nicht zu grob, und benennt beide Fehler: zu fein kann Probleme machen, zu grob kostet Ausbeute. Am aufgebrochenen Trester siehst du später, auf welcher Seite du gelandet bist.
Für den Hausgebrauch reicht eine Handkurbelmühle mit rund 7 Litern Trichter.
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Alternativen derselben Klasse sind die Ausführung aus Edelstahl *, die sich leichter sauber bekommen lässt, und eine dritte Handmühle mit 7-Liter-Trichter *. Bei allen dreien gilt derselbe Vorbehalt, und er ist ein Grund, warum es diesen Beitrag gibt: Die Produkttitel behaupten oft „Presse" und „Mühle" gleichzeitig. Das sind Mühlen. Wer eine davon als Presse kauft, steht mit einem Eimer Maische da und ohne Saft.
Wer zentnerweise presst, landet früher oder später bei einer motorisierten Mühle *. Zur Einordnung eine Herstellerzahl: Eine motorisierte Kernobstschneidmühle schafft laut Speidel rund 1.000 Kilo pro Stunde bei knapp 2 kW Anschlussleistung. Das ist mehr, als eine 20-Liter-Presse an einem Nachmittag durchsetzt. Die Mühle ist also nie der Engpass, aber ohne sie steht alles.
Welche Bauart passt zu deiner Ernte?
Obstpressen unterscheiden sich nicht in erster Linie durch die Marke, sondern dadurch, woher der Druck kommt und in welche Richtung er wirkt. Drei Bauarten sind im Hausgarten realistisch.

| Merkmal | EmpfehlungHydropresse 20 LPreisklasse 2 von 3, Mittelklasse | Korbpresse 12 LPreisklasse 1 von 3, günstig | Hydropresse 40 LPreisklasse 3 von 3, gehoben | Hydraulikpresse 12 LPreisklasse 2 von 3, Mittelklasse |
|---|---|---|---|---|
| Bauart | Hydropresse | Spindelpresse | Hydropresse | Hydraulikpresse |
| Korb | 20 Liter | 12 Liter Holz | 40 Liter | 12 Liter |
| Druck | 3 bar (Anbieterangabe) | Handkraft | Wasserdruck | 3 t Wagenheber |
| Antrieb | Wasserdruck | Stahlspindel | Wasserdruck | Hydraulik |
| Für wen? | die erste ernsthafte Presse, wenn ein Wasserhahn in Reichweite ist | der ehrlichste Einstieg, wenn du erst wissen willst, ob das Thema hält | wenn mehrere Bäume oder mehrere Haushalte am selben Tag pressen | wenn kein Wasserhahn in Reichweite ist, aber trotzdem Druck gebraucht wird |
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Korbpresse mit Spindel: der ehrlichste Einstieg
Für wen: alle, die erst herausfinden wollen, ob das Thema hält, und alle ohne Außenhahn. Die Spindelpresse ist das älteste Prinzip: Druckplatte von oben, Holzkorb, Muskelkraft und Nachdrehen. Sie ist bis ins letzte Teil reparierbar, und das Presstuch gibt es als exakt passendes Ersatzteil *, was bei Zubehör selten genug ist.
Ehrlicher Nachteil: Der Druck kommt aus dem Arm. Bei zwei Eimern Äpfeln ist das ein netter Nachmittag, bei zwei Zentnern eine Zumutung. Dazu kommt die Ausbeute-Frage. Die LfL hat in bayerischen Mostereibetrieben erhoben, wie viel Saft die einzelnen Bauarten je Doppelzentner Obst liefern, und die Korbpresse liegt dort mit 60,5 Litern am unteren Ende, die gewerbliche Bandpresse mit 72,2 Litern am oberen. Wichtig dabei: Das sind Betriebsdaten aus Mostereien, keine Haushaltswerte. Sie zeigen die Richtung, nicht das, was auf deinem Hoftisch herauskommt. Und der unbehandelte Holzkorb will nach jedem Einsatz gründlich durchtrocknen, sonst hast du im Frühjahr ein Problem.
Hydropresse mit Wasserdruck: der Allrounder
Für wen: alle mit Wasseranschluss und einem oder mehreren Bäumen. In einer Hydropresse sitzt ein Gummibalg in der Mitte des Korbs. Du hängst den Schlauch an, das Wasser füllt den Balg, und der drückt die Maische von innen nach außen gegen die Korbwand. Der Saft tritt durch die Wand aus und läuft nach unten ab. Du musst dabei nichts nachdrehen, sondern nur das Wasser laufen lassen.

Zwei Punkte aus der Speidel-Betriebsanleitung, die für jede Presse dieser Bauart gelten. Erstens: Sie ist ausschließlich für Wasserdruck gebaut, ausdrücklich nicht für Luftdruck. Wer auf die Idee kommt, den Balg mit dem Kompressor zu füllen, betreibt das Gerät außerhalb seiner Zulassung. Zweitens: Maximal 3 bar, und das Überdruckventil ist ab Werk auf diese 3 bar eingestellt. Der Anschluss läuft über eine Schnellkupplung in R ¾", also Gartenschlauch-Standard, aber die Kupplung muss man haben. Wer sehen statt schätzen will, wann die 3 bar anliegen, findet die Ausführung mit Manometer *, die allerdings saisonal löchrig lieferbar ist.
Ehrlicher Nachteil: Ohne passenden Wasseranschluss ist sie ein Ausstellungsstück. Das ist ein Ausschlusskriterium, kein Komfortthema. Balkon ohne Außenhahn, Waschbecken ohne Gewinde, Ferienhaus mit schwachem Druck: dann wird es keine Hydropresse. Dazu kommt, dass Wasser läuft, solange gepresst wird, und dass Zulauf, Ablauf und Auffangwanne Platz brauchen.
Hydraulische Obstpresse: Druck ohne Hahn
Für wen: alle ohne Wasseranschluss, die trotzdem nicht kurbeln wollen. Die hydraulische Presse ist im Prinzip eine Korbpresse, bei der ein Wagenheber im Rahmen die Arbeit der Spindel übernimmt. Hoher Druck mit wenig Kraftaufwand, kein Schlauch, kein Strom.
Ehrlicher Nachteil: Der Wagenheber ist das Verschleiß- und Ausfallteil, und der Rahmen braucht Standfestigkeit. Dazu ein Hinweis, der bei dieser Bauart besonders wichtig ist: Die Produkttitel mischen „Obstpresse" und „Obstmühle" munter durcheinander. Vor dem Klick genau lesen, was tatsächlich im Karton liegt.
Edelstahl oder Holz: was das Material ausmacht
Die Suche nach einer Obstpresse aus Edelstahl hat einen praktischen Kern. Edelstahl nimmt keinen Geruch an, lässt sich abbürsten und muss nach der Saison nur trocken sein. Holz ist das ältere, schönere und reparierbarere Material, aber es arbeitet: Ein unbehandelter Korb saugt sich voll, und wenn er feucht eingelagert wird, ist der nächste Herbst gelaufen.
Für die Reinigung gibt der Hersteller eine Regel vor, die für beide Materialien zählt: Wasser und Bürste oder Schwamm, niemals eine Drahtbürste. Auf Edelstahl hinterlässt die Drahtbürste Spuren, in denen sich später der Rost festsetzt.
Apfelpresse, Mostpresse, Weinpresse: alles dasselbe Gerät?
Im Kern ja. Wer nach einer Apfelpresse, einer Mostpresse oder einer Weinpresse sucht, landet bei denselben drei Bauarten, nur mit anderer Frucht im Kopf. Der Unterschied sitzt nicht in der Presse, sondern in der Vorbereitung: Kernobst wird gemahlen, Trauben und Beeren werden gequetscht, so beschreibt es auch der Hersteller in seiner Broschüre.
Aus Most wird erst dann Apfelwein, wenn er gärt, und das ist ein eigenes Handwerk mit eigenen Regeln, das in Apfelwein selber machen steht. Für den reinen Saft ist der Ablauf vom Baum bis in die Flasche in Apfelsaft selber machen beschrieben. Das Gerät suchst du hier aus, den Ablauf lernst du dort.
Gibt es eine wirklich elektrische Obstpresse?
Kurz: im Haushaltssegment praktisch nicht. Wer nach einer elektrischen Obstpresse oder einer elektrischen Apfelpresse sucht, bekommt zwei Sorten Treffer, und beide heißen anders, als sie sind.
Die eine Sorte sind Entsafter und Slow Juicer. Die zerlegen einzelne Äpfel schnell und machen morgens ein gutes Glas Saft. Für hundert Liter aus einem Baum sind sie das falsche Werkzeug, weil Durchsatz, Trester und Reinigungsaufwand nicht zur Erntemenge passen.
Die andere Sorte sind elektrische Obstmühlen. Die sind tatsächlich das, was die meisten suchen, wenn sie „elektrisch" tippen: Elektrisch ist in dieser Klasse das Mahlen. Gepresst wird von Hand, mit Wasser oder mit Hydraulik.
Für die Kaufentscheidung heißt das: Steck das Geld nicht in die Suche nach einem Motor an der Presse, sondern in eine ordentliche Mühle und in die passende Pressenbauart.
Größe: was 20 Liter wirklich bedeuten
Die wichtigste Zahl im Produktnamen wird am häufigsten falsch verstanden. Wenn dort „Hydropresse 20 Liter" steht, sind die 20 Liter der Korbinhalt, also der Platz für die Maische. Hersteller und Händler schreiben es korrekt als Korbinhalt oder Korbvolumen, nur liest es kaum jemand so. Aus 20 Liter Korbinhalt kommen keine 20 Liter Saft, sondern deutlich weniger, plus ein Presskuchen.

So sortiere ich die Größen:
- 6 Liter sind eine Mini-Presse für Beeren und Trauben * und für Versuchsmengen. Für eine Apfelernte wird daraus eine Endlosschleife: Bei rund 160 Kilo von einem einzigen Baum füllst du diesen Korb ohne Ende.
- 12 bis 20 Liter sind die Hausgarten-Klasse. Ein bis zwei Bäume, ein Nachmittag, mehrere Durchgänge, aber in einer Zahl, die man aushält.
- 40 Liter sind die Wiesen-Klasse.
Für wen: Streuobstwiese, Nachbarschaftsaktion, mehrere Haushalte am selben Tag. Der Hersteller wirbt bei dieser Bauart ausdrücklich damit, dass eine Hydropresse auch dann gut arbeitet, wenn der Korb nur teilweise gefüllt ist. Das ist eine Herstelleraussage und keine neutrale Messung, aber sie ist das sachliche Argument gegen die Angst, zu groß zu kaufen.
Ehrlicher Nachteil: groß, schwer, fester Standplatz, ordentlicher Wasseranschluss. Und die 40 Liter müssen erst einmal gemahlen sein. Mit einer Handkurbelmühle wird das ein langer Tag.
Kirschen, Zwetschgen, Mirabellen: kein Fall für die Mühle
Diese Frage kommt immer, und sie ist berechtigt: Wer viel Geld für ein Gerät ausgibt, will es nicht sechs Wochen im Jahr benutzen.
Die klare Antwort betrifft die Mühle, nicht die Presse. Speidel schreibt in der bestimmungsgemäßen Verwendung der Kernobstschneidmühle, sie sei zum feinen Zerschneiden von Kernobst wie Äpfeln und Birnen gebaut, und dann wörtlich: „Die Mühle ist nicht geeignet zum Zerkleinern von Steinobst wie Kirschen o. ä." Damit ist es keine Geschmacksfrage, sondern eine Frage von bestimmungsgemäßer Verwendung und Garantie. Der Hersteller nennt dafür übrigens keinen technischen Grund, und ich erfinde auch keinen: Es steht nirgends, dass der erste Kirschkern das Mahlwerk zerlegt. Es steht nur, wofür das Gerät gebaut ist.
Ein zweiter Punkt kommt vom BfR, allerdings aus einem engen Zusammenhang. In seiner Stellungnahme zu Steinobstbränden beschreibt das Institut, dass Blausäure zunächst gebunden in den Steinen liegt und dass eine Beschädigung der Steine diesen Prozess stark beschleunigt. Die Gegenmaßnahme heißt dort: Beschädigung der Steine vermeiden. Über gepressten Saft sagt dieses Dokument nichts, und andere zitierfähige Quellen dazu habe ich nicht gefunden. Deshalb gibt es hier weder eine Warnung noch eine Entwarnung, sondern nur den Arbeitshinweis: Steine gehören nicht ins Mahlwerk.
Praktisch ist Steinobst ohnehin kein Pressobst, sondern Maischeobst. Kirschen, Zwetschgen und Mirabellen sind weich. Sie brauchen kein Schneidwerk, sondern Druck und ein Sieb. Wer sie entsteint und quetscht, kann sie in derselben Presse verarbeiten wie Trauben. Für Beeren und Trauben gilt dasselbe, dafür ist keine andere Bauart nötig. Das Entsteinen ist bei einer Schüssel Handarbeit und bei einer Kiste ein Problem, und wer regelmäßig Steinobst in Erntemenge verarbeitet, ist mit Passiergerät oder Dampfentsafter besser bedient als mit einer Presse.
Karotte, Rote Bete, Sellerie: taugt die Presse für Gemüsesaft?
Die ehrliche Antwort ist ein Nein mit Begründung, und sie entscheidet mit darüber, wie oft im Jahr das Gerät überhaupt läuft.
Erstens das Material. Ein reifer Apfel gibt seinen Saft ab, sobald er aufgeschlossen ist. Möhre und Rote Bete sind fest und faserarm, sie wollen gerieben oder zerrissen werden. Eine Korb- oder Hydropresse presst nur, was schon aufgeschlossen ist, sie schließt selbst nichts auf. Ohne passende Zerkleinerung kommt aus Möhren im Presskorb fast nichts. Der Hersteller gibt für Gemüse folgerichtig weder eine Freigabe noch ein passendes Mahlwerk an: Im gesamten Programm kommen Karotten, Rote Bete, Sellerie, Tomate und Kürbis nicht vor. Das ist kein Verbot, aber es heißt, dass du dich außerhalb der dokumentierten Verwendung bewegst.
Zweitens die Mengenlogik. Das BZfE beschreibt die Haushaltsherstellung von Gemüsesaft gar nicht über eine Presse, sondern über Zerkleinern, Pürieren mit Wasser und Passieren durch ein feines Sieb, als Gerät nennt es den Slow Juicer. Und es nennt die Haltbarkeit: In einer verschlossenen Glasflasche hält frisch zubereiteter Saft im Kühlschrank etwa zwei bis drei Tage. Gemüsesaft ist im Haushalt ein Frischprodukt in Tagesmengen. Eine Presse, die auf 20 oder 40 Liter Korbinhalt pro Durchgang ausgelegt ist, arbeitet daran vorbei.
Drittens der Sicherheitsteil, und der ist kurz und wichtig. Apfelsaft ist von Natur aus sauer. Gemüse liegt laut BfR in der Regel über pH 4,6, und Botulismus-Sporen lassen sich erst über 100 °C inaktivieren, angegeben werden 121 °C für drei Minuten. Ein Haushalt kommt beim Einwecken nicht über 100 °C hinaus. Deshalb steht hier keine Anleitung zum Haltbarmachen von säurearmem Gemüsesaft, und „einfach pasteurisieren wie Apfelsaft" gilt dafür ausdrücklich nicht. Frisch pressen, kühlen, in wenigen Tagen trinken oder einfrieren.
Und ganz praktisch: Sellerie und Rote Bete färben und riechen. Presssack und Holzkorb nehmen das an. Wer nach Rote Bete wieder Apfelsaft pressen will, braucht einen zweiten Presssack.
Für das Gemüse aus dem Beet gibt es meist ohnehin bessere Wege als den Saft: Rote Bete wird bei mir eingelegt, Tomaten werden passiert und eingekocht, und Kürbis wird gar nicht erst gepresst, dafür ist das Fruchtfleisch zu fest und zu trocken. Wer wirklich das ganze Jahr Gemüsesaft will, kauft einen Slow Juicer und keine Obstpresse. Das darf auf einer Seite, die Pressen empfiehlt, ruhig so dastehen.
Fallobst: was vor die Mühle darf und was nicht
Der Sortiertisch ist kein Zubehör, er ist Teil des Verfahrens. Das LGL Bayern schreibt zu Patulin, einem Schimmelpilzgift aus dem häufigen Apfel-Verderbnis- erreger Penicillium expansum: Besonders braunfaule Äpfel können es enthalten, es breitet sich von der faulen Stelle aus in gesundes Gewebe aus, und wird angefaultes Fallobst weiterverarbeitet, geht es in Säfte, Kompott oder Konfitüren über. Erhitzen repariert das nicht, weil Patulin relativ hitzestabil ist.
Kein Grund zur Panik, wohl aber eine Arbeitsanweisung: Faules Obst wird vor der Mühle aussortiert, nicht nach der Presse. Angestoßene Stellen kannst du wegschneiden, braunfaule Früchte kommen in den Kompost. Deshalb gehören zur Ausstattung ein Tisch, eine Wanne und eine Kiste für den Ausschuss, und deshalb dauert der Presstag länger, als die Gerätebeschreibung vermuten lässt.
Zubehör, das wirklich gebraucht wird
Der unsichtbare Teil der Kaufentscheidung. Vier Posten, die im Karton oft fehlen oder falsch dimensioniert sind.
Presstuch und Presssack. Das Tuch ist Pflichtausrüstung, kein Zubehör. Die Betriebsanleitung beschreibt sogar den Handgriff: Tuch in den Korb einlegen und am oberen Rand nach außen umschlagen. Ohne Sack drückst du Maische durch die Schlitze statt Saft. Und Presstücher sind maßgebunden, also vor dem Kauf messen, das ist der Zubehörfehler Nummer eins. Passend zur 20-Liter-Klasse gibt es das Presstuch mit 355 mm Durchmesser *, für die kleineren Körbe den Pressbeutel in 12 Liter * und den in 18 Liter *, dazu das Ersatztuch der 18-Liter-Klasse * und für die große Presse das Tuch mit 59 cm Durchmesser *. Ein zweiter Sack gehört zur Erstausstattung, nicht ins zweite Jahr. Er ist auch die Antwort auf das Rote-Bete-Problem von oben.

Auffanggefäß. Der Saft läuft nicht in die Flasche, er läuft in eine Wanne, und die muss unter den Ablauf passen. Eine eigene Produktgruppe „Saftauffangwanne" gibt es nicht, gesucht wird ein flacher lebensmittelechter Behälter *. Auf diese Angabe achten: Ein Baumarktkübel ohne den Hinweis „lebensmittelecht" ist für Saft die falsche Wahl.
Abfüllen. Für Baumernte-Mengen ist Bag-in-Box das praktischste Gebinde, weil niemand hundert Flaschen sterilisieren will und der Beutel sich beim Entnehmen zusammenzieht. Es gibt die 5-Liter-Beutel mit Zapfhahn * und das Set mit Karton *, das sich stapeln lässt. Der Nachteil ist die Einwegnutzung. Wer Mehrweg und kleine Mengen zum Verschenken will, nimmt Braunglasflaschen mit Bügelverschluss * oder sucht sich passende Bügelflaschen in einem Liter *. Wie der Saft dann haltbar wird, steht in Apfelsaft haltbar machen: Der NABU nennt für das Pasteurisieren rund 72 °C und rund 20 Minuten, bei höheren Temperaturen geht es schneller. Mehr dazu gehört dort hin und nicht in den Gerätekauf.
Trester. Nach dem Durchgang bleibt ein fester Kuchen im Korb. Aufbrechen, auflockern und ein zweites Mal pressen bringt noch etwas. Wie viel, sage ich nicht, denn dafür gibt es keine belastbare Zahl. Der Trester ist trotzdem nützlich: An seiner Bruchkante siehst du, wie fein die Maische war. Krümelig und trocken ist gut, grob und feucht heißt, dass die Mühle zu grob eingestellt war.

Worauf ich vor dem Kauf schauen würde
Fünf Fragen, die die Bauart praktisch entscheiden, in dieser Reihenfolge:
- Wasseranschluss in Reichweite? Nein heißt: Spindelpresse oder Hydraulik. Diese Frage steht vor allen anderen.
- Wie viel Obst, wie oft? Unter einem Zentner gar nichts, ein bis zwei Bäume 12 bis 20 Liter Korb, mehrere Bäume 40 Liter.
- Ist die Mühle eingeplant? Wenn nicht, gehört das Geld zuerst dorthin. Eine kleine Presse mit guter Maische schlägt eine große Presse mit ganzen Äpfeln.
- Wo steht das Ding im Winter? Trocken, frostfrei genug, und im Herbst mit festem Untergrund, Zulauf und Ablauf.
- Passt das Presstuch? Maße notieren, bevor Ersatz bestellt wird.
Ein Wort noch zu Marken. Es gibt für diese Geräteklasse keinen zulässigen Test, auf den ich mich stützen könnte, und deshalb steht in diesem Beitrag keiner. Ich argumentiere über Bauart und Passung. Bei den bekannten Markenpressen kommt dazu, dass die Verfügbarkeit über Amazon saisonal löchrig ist. Im September ist der Fachhandel oft die realistischere Quelle, auch wenn das an dieser Stelle niemandem gefällt.
Wenn du magst, sagt dir die Seite per Push Bescheid, sobald der Ratgeber zum Ablauf am Presstag fertig ist. Wie du das Jahresergebnis dann einlagerst, steht in Vorratshaltung.
